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THE WELL Frankfurt — Center-Portrait des ersten großen Longevity-Members-Clubs im Bankenviertel

Center-Portrait des Longevity-Members-Clubs THE WELL Frankfurt (Eröffnung Mitte 2026, Junghofstraße 14) mit Programm, Preisen, Beirat und Redaktions-Einschätzung.

Veröffentlicht: Von Mira Halbach

THE WELL Frankfurt — Center-Portrait des ersten großen Longevity-Members-Clubs im Bankenviertel

Am 18. Dezember 2025 titelte das Handelsblatt: „Diese Gründer wollen Longevity-Clubs in Europa etablieren." Der Artikel handelt von zwei Personen, die man sich für ein deutsches Longevity-Projekt nicht sofort ausdenkt: Dr. Eike Muhr, promovierte Juristin, und François-X. Casanova, Fitness- und Digital-Unternehmer. Die beiden bauen in der Junghofstraße 14, mitten im Frankfurter Bankenviertel, auf 1.000 Quadratmetern im Junghof Plaza einen Longevity-Members-Club. Eröffnung: Mitte 2026. Das Ganze steht im Handelsregister als „Longevityhub — Fitnesscenter mit weiteren Angeboten, inklusive Restaurant", betrieben von der THE WELL Frankfurt GmbH (HRB 13024, Amtsgericht Siegen), im Alleinbesitz der THE FLAG Holding — der Familienunternehmensgruppe der Muhrs aus Attendorn, Sauerland, die im Kern Serviced Apartments in DE/ES/CH/USA baut. Bau begonnen im Dezember 2025.

Ein Hinweis in eigener Sache, bevor die Einordnung beginnt: Für dieses Portrait haben wir THE WELL Frankfurt nicht besucht — die Räumlichkeiten befinden sich zum Redaktionszeitpunkt noch im Bau. Die folgende Marktübersicht beruht ausschließlich auf öffentlich zugänglicher Recherche: Handelsregister-Einträgen (Northdata), der Handelsblatt-Berichterstattung von Nadine Schimroszik vom 18.12.2025, Pressemitteilungen von THE WELL und der THE FLAG Gruppe, dem Impressum und den Website-Inhalten von thewell.club sowie den öffentlichen Profilseiten des Medical Board an Charité, Immanuel Krankenhaus Berlin-Wannsee, den Kliniken Maria Hilf Mönchengladbach und der HHU Düsseldorf. Wo wir Marketingaussagen zitieren, kennzeichnen wir sie als Anbieterangaben. Ein persönlicher Erfahrungsbericht wird nach Eröffnung ergänzt.

1. Ein Longevity-Club in der Junghofstraße — was hier gerade entsteht

Der Standort ist eine Aussage für sich. Junghofstraße 14, im Junghof Plaza, Asset Manager LUWIN Real Estate, direkt zwischen den Türmen der Deutschen Bank, der DZ Bank und der Europäischen Zentralbank. Wer hier ein Longevity-Angebot platziert, spricht nicht die Wellness-Community an, sondern die zeitknappe Corporate-Professional-Klientel Frankfurts. Handelsblatt-Titel und ‑Autorin Nadine Schimroszik ordnen den Auftritt als bewussten europäischen Positionierungsversuch ein: Nach dem US-Vorbild Fountain Life (ca. 25.000 USD/Jahr für den Apex-Tier) soll ein preislich moderateres, aber vergleichbar durchprogrammiertes Members-Konzept in Europa etabliert werden.

Das Rechtsvehikel ist interessant konstruiert. Die THE WELL Frankfurt GmbH wurde bereits 2022 gegründet — allerdings ursprünglich als „RMW Wohnungsgesellschaft Lister 14 GmbH", also als Immobilienschale. Am 2. April 2025 wurde die Gesellschaft umbenannt und der Geschäftszweck auf „Longevityhub" umgewidmet. Alleingesellschafterin ist die THE FLAG Holding GmbH, die Familienunternehmensgruppe von Muhr sen. und Junior. Muttergesellschaft ist die THE FLAG Gruppe (26 Objekte mit über 3.000 Apartments in DE/ES/CH/USA, laut eigener Pressemitteilung 2025 Umsatz „im mittleren zweistelligen Millionenbereich"). Das erklärt viel: THE WELL ist kein Ärzte-getriebenes Projekt, sondern ein Real-Estate/Hospitality-Unternehmen, das in den Longevity-Markt diversifiziert.

2. Members Club, nicht Klinik, nicht Retreat — die konzeptionelle Positionierung

Nach Anbieterangaben nennt sich THE WELL „Deutschlands ersten holistischen Longevity Club". Ein Etikett, das der Berliner Concept Club nur wenige Wochen zuvor, im Oktober 2025, ebenfalls für sich beansprucht hat — der Marketing-Superlativ ist objektiv nicht haltbar. Wichtiger ist die konzeptionelle Einordnung: Es handelt sich um einen Urban Members Club mit Jahresbeitrag und permanenter Fläche — also ausdrücklich nicht um eine stationäre Klinik (wie Lanserhof Tegernsee/Sylt oder Chenot Palace Weggis) und nicht um ein Retreat-Format (wie VIVAMAYR Altaussee). Das ist keine Nebensache: Der Club soll Retreats ergänzen, nicht ersetzen.

Direkte Peer-Wettbewerber im DACH-Members-Club-Segment sind der Concept Club Berlin (Longevity-Tier 399 €/Monat, im historischen Telegraphenamt, Design von Dreimeta) und U — The Longevity Club (Berlin, Düsseldorf, Köln, Rostock — U+-Mitgliedschaft ab 200 €/Monat, aus einer 25-jährigen Kosmetik-DNA gewachsen). Ein weiterer Peer, der Longevity Health Club Heidelberg, geht ebenfalls im Sommer 2026 an den Start. Das Spielfeld ist plötzlich voll.

3. Die „900+ Datenpunkte" — was das Diagnostik-Programm wirklich abdeckt

Nach eigenen Angaben bewirbt THE WELL ein jährliches Assessment mit „über 900 Datenpunkten" aus Blut, Bildgebung, Stoffwechsel, Performance und Kognition. Die Formulierung ist verkaufspsychologisch elegant und klinisch problematisch. Denn: Der evidenzbasierte Kern eines solchen Panels — ApoB, Lp(a), HbA1c, hs-CRP, OGTT, ALT/GGT, TSH, freies Testosteron plus SHBG, Ferritin, Homocystein, Insulin nüchtern, Vitamin D; DEXA für Körperkomposition und Knochendichte; VO2max; Griffkraft; Coronary Artery Calcium Score — deckt vielleicht 40 bis 60 Datenpunkte ab, ist aber in Mortalitäts-Studien validiert und geht deutlich über den deutschen Kassen-Check-up 35 hinaus. Das ist ein realer Vorteil.

Der Rest der 900 sind Beisatzmarker, Micro-Nährstoffe, Aminosäurenprofile, Mikrobiom-Sequenzierung, eventuell Continuous Glucose Monitoring bei Nicht-Diabetikern, epigenetische Alterungsuhren. USPSTF und DEGAM empfehlen keinen dieser Zusatztests als Screening bei asymptomatischen Erwachsenen. Peter Attia selbst, der publizistisch prominenteste Longevity-Verfechter, schreibt auf peterattiamd.com über die aktuelle Generation der Aging Clocks: „don't put much stock in epigenetics-based aging clocks at present." Eine Reliabilitäts-Analyse von 2025 findet für die kommerziell vermarkteten Uhren GrimAgeV2 und DunedinPACE zwar technische Reproduzierbarkeit, aber biologische Instabilität.

Und dann ist da noch das Ganzkörper-MRT-Problem. Kwee & Kwee zeigen im Journal of Magnetic Resonance Imaging 2019 (12 Studien, 5.373 asymptomatische Personen), dass solche Screenings bis zu 32 Prozent Zufallsbefunde erzeugen — die meisten davon indeterminiert, oft ohne klinische Konsequenz, aber mit Folgeuntersuchungen, Angst und Kosten verbunden. Die American Academy of Family Physicians und die Schweizerische Gesellschaft für Radiologie raten aktiv davon ab. Statistisch heißt „mehr Datenpunkte" schlicht: mehr falsch-positive Befunde (Bonferroni-Problem). Das ist die medizinische Grundregel, die im Marketing regelmäßig unterschlagen wird.

4. Michalsen, Albrecht, Karathanos — der Medical Board im Faktencheck

Der Medical Board umfasst nach Anbieterangaben drei Personen. Prof. Dr. med. Andreas Michalsen ist Inhaber der Stiftungsprofessur für Klinische Naturheilkunde an der Charité und Chefarzt Innere Medizin und Naturheilkunde am Immanuel Krankenhaus Berlin-Wannsee, FAZ-Kolumnist („Richtig essen", seit Ende 2024), Bestsellerautor. Er ist die international sichtbarste Marke im Panel — und zugleich einer der prominentesten deutschen Kritiker des kommerziellen Longevity-Hypes. Im Juli 2025 sagte er gegenüber medhochzwei wörtlich, das Thema werde „medial [...] von Influencern und selbsternannten Experten beherrscht, die oft fernab von Evidenz ihre Empfehlungen geben und mit Produktverkauf verbinden".

Prof. Dr. med. Philipp Albrecht ist Chefarzt Neurologie an den Kliniken Maria Hilf Mönchengladbach und apl. Professor an der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf; sein Forschungsschwerpunkt ist Multiple Sklerose und quantitative optische Kohärenztomografie. Longevity ist nicht sein originäres Forschungsfeld. In seinen publizierten Disclosures nennt er Advisory-Board-Honorare unter anderem von Ipsen, Novartis und Biogen. Dr. med. Athanasios Karathanos ist Oberarzt der Abteilung Sportmedizin an der Charité (Campus Mitte) — akademisch der jüngste im Panel, kein habilitierter Ordinarius, deckt aber die sportkardiologische Diagnostikachse ab.

Auffällig, und das ist der Punkt, den ein Marketingtext nie schreiben würde: Keines der drei Boardmitglieder listet die Rolle bei THE WELL auf seiner eigenen Klinik-, Universitäts- oder Autoren-Seite. Weder auf prof-michalsen.de, noch auf den Charité-Seiten, noch bei Immanuel oder Maria Hilf. Die Beiratsangabe ist einseitig durch das Unternehmen dokumentiert. Michalsens öffentliche Longevity-Kritik steht unaufgelöst neben seiner Rolle. Das ist keine Verdächtigung, aber es ist eine offene Kommunikations-Frage. Für ein Projekt, das mit „medizinisch fundiert" wirbt, verdient diese Asymmetrie eine Erklärung.

5. HBOT, IV-Infusionen, Rotlicht, Sauna — die Modalitäten und was die Evidenz sagt

Zum Programmangebot gehören nach Anbieterangaben: HBOT, IV-Infusionen, Rotlicht/Photobiomodulation, Kontrasttherapie, Sauna, Massage sowie sportwissenschaftliches Training und Ernährungsmedizin. Die Evidenzbasis ist pro Modalität unterschiedlich, und die Unterschiede sind entscheidend.

HBOT ist nach FDA und Undersea and Hyperbaric Medical Society für 13 bis 15 klar definierte medizinische Indikationen zugelassen (unter anderem Dekompressionskrankheit, CO-Vergiftung, diabetisches Fußulkus). In Deutschland erstattet die GKV ambulant seit dem G-BA-Beschluss vom 21. September 2017 ausschließlich das diabetische Fußsyndrom ab Wagner-Stadium II. Jede Longevity-Anwendung ist damit off-label und Selbstzahler-Leistung. Die häufig zitierte Anti-Aging-Studie Hachmo et al. 2020 (Aging Albany NY, Shamir Medical Center) hatte n=35 Teilnehmer, keinen Kontrollarm, misst Telomere per qPCR-Methode (methodisch umstritten); Hauptautor Efrati ist Anteilseigner der israelischen Aviv-Kliniken. Ein Level-1-Evidenznachweis für Longevity-Nutzen bei gesunden Erwachsenen liegt nicht vor.

IV-Infusionen sind in Deutschland gerade die regulatorisch heikelste Modalität. Das BfArM hat 2025 explizit vor „Drip-Spa"- und Longevity-Infusionen gewarnt (nicht als Arzneimittel zugelassen, dokumentierte Risiken von Elektrolyt-Entgleisung bis Sepsis); die Deutsche Gesellschaft für Innere Medizin hat sich der Warnung angeschlossen. IV-NAD+ ist in Deutschland verschreibungspflichtig und für keine Longevity-Indikation zugelassen — Anwendung erfolgt off-label; eine Nature-Aging-Übersicht hält NAD+ molekular für plausibel, weist aber keine Outcome-Trials für IV-NAD+ in Anti-Aging oder Wellness nach.

Sauna und Kontrasttherapie stehen wesentlich solider da. Die Kuopio Ischemic Heart Disease Study (Laukkanen, JAMA Internal Medicine 2015, n=2.315 finnische Männer, 20-Jahres-Follow-up) fand für vier bis sieben Saunagänge pro Woche eine Hazard Ratio von rund 0,5 für kardiovaskuläre Mortalität — ein starker Beobachtungsbefund, allerdings observational, mit Reverse-Causation-Risiko. Cold-Plunge und Kontrastwassertherapie zeigen belegten Nutzen bei Muskelregeneration, keine Longevity-Endpunkte.

Rotlicht/Photobiomodulation hat moderate Evidenz für orale Mukositis nach Chemo/Radiotherapie, akute Muskelrekonvaleszenz und Wundheilung. Für Longevity-, kognitive Enhancement- oder Testosteron-Boost-Claims fehlen belastbare Endpunktstudien; eine Umbrella-Review 2025 stuft die Evidenz für diese Erweiterungen als „low-to-moderate certainty" ein.

6. Coaching, Ernährung, Training — was die Membership im Alltag bedeutet

Der Präventions-Kern, den THE WELL im Alltag durchziehen möchte, folgt einem inzwischen etablierten Kanon. Strukturiertes Krafttraining zwei- bis dreimal die Woche (Grade-A-Evidenz für Sarkopenie-Prävention und Gesamtmortalität), Zone-2-Ausdauer plus VO2max-Intervalle (Insulinsensitivität, kardiovaskuläre Fitness), mediterrane Ernährung im PREDIMED-Muster (30 Prozent Reduktion kardiovaskulärer Ereignisse laut Studie im New England Journal of Medicine 2018), Proteinbedarf 1,2 bis 1,6 g/kg ab 65 Jahren (PROT-AGE-Konsensus). Das ist die Longevity-Basis, an der die klassische Sportmedizin und die Longevity-Szene nicht auseinandergehen — und der Mehrwert eines Members-Clubs liegt tatsächlich weniger im exklusiven medizinischen Wissen als in Adhärenz-Wirkung und Peergroup-Effekten. Das ist empirisch gut belegt und keine Trivialaussage.

Nach Anbieterangaben umfasst die Betreuung im Base-Tier quartalsweise Coaching-Sessions, im Core-Tier unbegrenzten Fitness- und Spa-Zugang plus zwei Behandlungen pro Monat, im Apex-Tier bis zu fünf Behandlungen pro Monat und einen „eigenen Longevity-Lead". F&B-Partner ist Elaine's World (Guy L. Lamaye und Luel Mulugeta), das zugleich Konzernpartner der THE FLAG Gruppe ist — das Restaurant ist als integraler Konzeptbestandteil angekündigt.

Kritisch ist die Personalisierungs-Rhetorik. Personalisierte Ernährung nach Genetik oder Mikrobiom und Continuous Glucose Monitoring bei Gesunden zur „metabolischen Optimierung" haben bislang keine belastbaren Endpunktstudien. Sie sind attraktive Verkaufsargumente, aber medizinisch keine belegte Wertsteigerung.

7. Junghof Plaza — 1.000 qm im Frankfurter Bankenviertel

Zum Design und zur Innenraum-Atmosphäre ist zum Redaktionszeitpunkt wenig öffentlich. Die Bauphase begann laut Handelsblatt im Dezember 2025, detaillierte Innenraum-Aufnahmen, Architekt und Interior-Konzept sind auf der Website und im Instagram-Kanal @the_well_club_ bislang nicht dokumentiert. Was sich sagen lässt: Die 1.000 Quadratmeter sind für Longevity-Members-Club-Verhältnisse eher kompakt. Der Berliner Concept Club im Telegraphenamt und der Longevity Health Club Heidelberg (600 qm plus Store und Academy) bewegen sich in ähnlichen Größenordnungen; klassische Retreat-Häuser wie Lanserhof Tegernsee bespielen ein Vielfaches, aber mit stationärer Übernachtungslogik.

Die Standortwahl im Bankenviertel ist funktional konsequent. Zielgruppe ist die zeitknappe, gut zahlende Frankfurter Finanz-, Beratungs- und Corporate-Professional-Klientel — genau die Personen, die sich kalendarisch keine zwei Wochen Lanserhof leisten können, aber Zeit für 90 Minuten Assessment und zwei Behandlungen im Monat finden.

8. 2.400, 4.900, 8.000 Euro im Jahr — die Preisstruktur (und was sie nicht deckt)

THE WELL veröffentlicht die Preise auf der Website — was für den Members-Club-Markt vergleichsweise transparent ist. Vier Tiers: Base 2.400 €/Jahr (jährliches Assessment plus Pläne plus quartalsweise Coaching-Sessions), Core 4.900 €/Jahr (Base plus Fitness/Spa plus zwei Behandlungen pro Monat), Apex 8.000 €/Jahr (Core plus fünf Behandlungen pro Monat plus eigener Longevity-Lead), dazu eine limitierte Founding-Member-Kategorie. Im DACH-Wettbewerbsvergleich mittig positioniert: Concept Club Berlin verlangt 399 €/Monat im Longevity-Tier (rund 4.788 €/Jahr, vergleichbar mit Core), U — The Longevity Club 200 €/Monat (2.400 €/Jahr, exakt auf Base-Niveau). Das US-Referenzmodell Fountain Life liegt im Apex-Tarif deutlich höher (ca. 25.000 USD/Jahr).

Was die Mitgliedschaft wirtschaftlich nicht ist: GKV-erstattungsfähig. Die gesetzliche Krankenversicherung übernimmt keinen Cent. Die private Krankenversicherung erstattet nach GOÄ ausschließlich medizinische Einzelleistungen (Bluttests, Bildgebung, ärztliche Beratung, HBOT nur bei zugelassener Indikation) — keine Club-Pauschale. Präventionsleistungen sind in vielen PKV-Tarifen zusätzlich begrenzt. Steuerlich sind Membership-Beiträge in aller Regel nicht als außergewöhnliche Belastung nach § 33 EStG absetzbar (mangels amtsärztlichem Attest der medizinischen Notwendigkeit vor Leistungsbeginn); auch die Betriebsausgabe scheitert nach der Fitnessstudio-Rechtsprechung. Ein 8.000-Euro-Apex-Membership ist praktisch voll aus versteuertem Einkommen zu tragen.

9. Redaktions-Einschätzung — was seriös ist und wo die Beweislast liegt

Bevor der strukturierte Bewertungsblock folgt, drei redaktionelle Vorbemerkungen zur Einordnung. Erstens: Der evidenzbasierte Kern des Angebots (Krafttraining, Zone 2, VO2max, DEXA, mediterrane Ernährung, ApoB/Lp(a)/HbA1c/hs-CRP, Physio) ist objektiv besser als die deutsche Kassenprävention für 40- bis 60-Jährige — hier ist der Anspruch berechtigt. Zweitens: Die Premium-Modalitäten (HBOT-Anti-Aging, IV-NAD+, aggressive „biological age"-Rhetorik) tragen einen Großteil der Positionierung, ohne die Level-1-Evidenz zu haben. Drittens: Bischof et al. (Aging 2024) beschreiben strukturell, was Longevity-Kliniken auszeichnet — sie positionieren sich bewusst als Wellness-Anbieter statt als medizinische Einrichtungen, um regulatorischer Aufsicht zu entgehen; eine Grauzone, in der ambitionierte Interventionen ohne angemessene Rechenschaftspflicht vermarktet werden. THE WELL steht in dieser Zone, wie alle vergleichbaren Angebote.

Prof. Alena Buyx (TU München) hat den Sektor im Deutschen Ärzteblatt/Ärztestellen als „perfektes Geschäftsmodell" und „klassischen Schweinezyklus" charakterisiert; das Ärzteblatt titelte 2024 „Longevity: Langes Leben auf Kosten der Gesundheit". Diese Kritik ist nicht THE-WELL-spezifisch, aber sie ist der Rahmen, in dem das Portrait zu lesen ist.

Drei Testkriterien, an denen sich THE WELL nach Eröffnung messen lassen kann: erstens die proaktive Aufklärung über Overdiagnosis-Zahlen bei Ganzkörperbildgebung, inklusive schriftlichem Konsent; zweitens die transparente Offenlegung, ob der Club eigene Supplements verkauft oder Beiräte umsatzabhängig vergütet werden; drittens eine HWG-konforme Kommunikation von „biologischem Alter" inklusive Reliabilitäts-Disclaimer statt als Marketing-Metrik.

10. Wo THE WELL zwischen Concept Club, Lanserhof und dem Longevity Center Nürnberg steht

Der direkteste Peer ist der Concept Club Berlin — gleiches Members-Club-Modell mit Monatsbeitrag, Longevity-Tier 399 €/Monat, im historischen Telegraphenamt Mitte, Design von Dreimeta, fitness- und corporate-lastiger, mit interdisziplinärem Ärzte- und Coach-Team. Preislich unter THE WELL liegt U — The Longevity Club: U+-Mitgliedschaft 200 €/Monat plus 200 € Setup, aus einer 25-jährigen Kosmetik-DNA gewachsen („Relounge"), mit ästhetik-Fokus und schwächerer medizinischer Integration; NAD+-Infusion einzeln zwischen 250 und 490 €.

Die etablierte deutsche Klinik-Referenz ist der Lanserhof (Tegernsee/Sylt): Longevity-Package Tegernsee ab 8.175 €/Woche, Sylt rund 10.000 €/Woche — vollintegriertes Klinik-Hotel-Modell mit medizinisch geführter Programmatik on-site. VIVAMAYR/MAYRLIFE Altaussee (Comfort-Doppelzimmer ab 280 €/Nacht, Stress-Control-Woche ab 3.550 € exklusive Unterkunft) und Chenot Palace Weggis (Advanced Detox ab 5.500 CHF/sieben Nächte, gesamt ab rund 8.370 CHF) bespielen dasselbe Retreat-Segment.

Medizinisch am dichtesten aufgestellt bleibt das Longevity Center Nürnberg (Dr. Thomas Voit): Multi-Fachärzte-Team (Allgemein-/Sportmedizin, Orthopädie, Sportwissenschaft, Ernährung, Frauengesundheit), Masterprogramme über drei, sechs oder zwölf Monate, betont anti-Lifestyle-Positionierung („medizinisch-wissenschaftlich, kein Lifestyle-Konzept").

Das Framing-Ergebnis: THE WELL positioniert sich nicht gegen den Lanserhof — es positioniert sich für die fünfzig Wochen im Jahr, in denen niemand in einem Retreat ist. Der Members-Club ist konzeptionell die Wochenroutine zwischen Aufenthalten. Ob die Positionierung „medizinisch fundiert" hält oder ob sie das Concept-Club-Muster „Fitness plus Ärzteschild" reproduziert, entscheidet sich nach Eröffnung.

Häufige Fragen

Was ist THE WELL Frankfurt? Ein Longevity-Members-Club der THE FLAG Gruppe (Familie Muhr, Attendorn), Eröffnung Mitte 2026, 1.000 qm im Junghof Plaza im Frankfurter Bankenviertel. Konzept: Jahresbeitrag zwischen 2.400 und 8.000 €, jährliches Assessment, permanente Fläche für Training, Diagnostik und ausgewählte medizinische Modalitäten.

Was kostet die Mitgliedschaft? Nach Anbieterangaben Base 2.400 €/Jahr, Core 4.900 €/Jahr, Apex 8.000 €/Jahr — plus limitierte Founding-Member-Kategorie. GKV-Erstattung besteht nicht; die PKV übernimmt höchstens medizinische Einzelleistungen nach GOÄ, nie die Club-Pauschale.

Wer sitzt im Medical Board? Prof. Andreas Michalsen (Charité/Immanuel), Prof. Philipp Albrecht (Maria Hilf/HHU Düsseldorf) und Dr. Athanasios Karathanos (Charité Sportmedizin). Keines der drei Boardmitglieder listet die Rolle bislang auf seiner eigenen Klinik-, Universitäts- oder Autorenseite.

Sind die Behandlungen medizinisch belegt? Der Präventions-Kern (Kraft, Zone 2, VO2max, DEXA, mediterrane Ernährung, klassische Blut-Panels) ist gut belegt. Die Premium-Modalitäten (HBOT für Anti-Aging, IV-NAD+, „biologisches Alter") sind off-label und haben bei gesunden Erwachsenen keine Level-1-Evidenz. Das BfArM hat 2025 vor „Drip-Spa"- und Longevity-Infusionen gewarnt.

Wie unterscheidet sich THE WELL vom Lanserhof? Members Club mit Jahresbeitrag und Alltagsroutine gegen Klinik-Retreat für konzentrierte Aufenthalte. Der Club ergänzt Retreat-Aufenthalte, ersetzt sie nicht.

Basiert dieses Portrait auf einem Besuch? Nein. Die Räumlichkeiten sind zum Redaktionszeitpunkt noch im Bau. Die Marktübersicht beruht auf öffentlich zugänglicher Recherche. Ein Erfahrungsbericht folgt nach Eröffnung.

Quellen

  1. NewsNadine Schimroszik (2025) Diese Gründer wollen Longevity-Clubs in Europa etablieren · Handelsblatt
  2. Presse(2025) Mit THE WELL entsteht Deutschlands erster holistischer Longevity Club in Frankfurt (Pressemitteilung) · THE WELL(Firmen-PM vom 18.12.2025 mit Adresse, Größe, Behandlungsliste, F&B-Partner, Statements Muhr/Casanova)
  3. AnbieterTHE WELL Frankfurt — Website(Firmen-Selbstauskunft (Programm, Preise, Medical Board, Assessment-Umfang))
  4. Presse(2025) THE FLAG Gruppe — Pressemitteilung zu THE WELL Frankfurt · THE FLAG
  5. Leitlinie(2017) G-BA-Beschluss zur Hyperbaren Sauerstofftherapie (diabetisches Fußsyndrom) · Gemeinsamer Bundesausschuss
  6. StudieHachmo et al. (2020) Hyperbaric oxygen therapy increases telomere length and decreases immunosenescence in isolated blood cells · Aging (Albany NY)(n=35, kein Kontrollarm — methodisch schwach für Anti-Aging-Claims)
  7. ReviewKwee & Kwee (2019) Incidental findings on whole-body MRI in asymptomatic subjects: a systematic review · Journal of Magnetic Resonance Imaging
  8. News(2025) Longevity-Infusionen: Bundesinstitut warnt vor Gesundheitsrisiken · Deutsches Ärzteblatt / BfArM
  9. StudieLaukkanen et al. (2015) Association between sauna bathing and fatal cardiovascular and all-cause mortality events · JAMA Internal Medicine(n=2.315 finnische Männer, 20-Jahres-Follow-up; rein observational)
  10. Studie(2018) Primary Prevention of Cardiovascular Disease with a Mediterranean Diet (PREDIMED) · New England Journal of Medicine
  11. ReviewBischof et al. (2024) Longevity Clinics: Regulatory Grey Zones and Ethical Challenges · Aging
  12. NewsLongevity zwischen Evidenz, Verantwortung und öffentlichem Hype (Buyx-Kritik) · Deutsches Ärzteblatt / Ärztestellen
  13. News(2024) Longevity: Langes Leben auf Kosten der Gesundheit · Deutsches Ärzteblatt
  14. Presse(2025) Real Life Longevity — Interview mit Andreas Michalsen · medhochzwei Verlag
  15. PresseProf. Dr. med. Andreas Michalsen — Immanuel Krankenhaus Berlin-Wannsee · Immanuel Krankenhaus
  16. PresseProf. Dr. med. Philipp Albrecht — Chefarzt Neurologie, Kliniken Maria Hilf · Kliniken Maria Hilf Mönchengladbach
  17. PresseCharité Sportmedizin — Team · Charité Berlin
  18. AnbieterConcept Club Berlin — Longevity Members Club · Concept Club
  19. AnbieterU — The Longevity Club, Mitgliedschaftsstruktur · U — Longevity Club
  20. AnbieterLongevity Health Club Heidelberg · Longevity Health Club
  21. AnbieterLanserhof — Longevity Package · Lanserhof
  22. AnbieterLongevity Center Nürnberg — Leistungen · Dr. Thomas Voit

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