BfArM warnt vor Longevity-Infusionen — und trifft damit Häuser, die wir selbst portraitiert haben

Das BfArM warnt seit dem 12. Mai 2026 vor Drip-Spa- und Longevity-Infusionen. Wir gleichen die Warnung mit den Angeboten ab, über die wir berichtet haben.

Veröffentlicht: Zuletzt geprüft: Von Morten Wilhelm4 Min. Lektüre

BfArM warnt vor Longevity-Infusionen — und trifft damit Häuser, die wir selbst portraitiert haben
Inhalt dieses Artikels

Seit dem 12. Mai 2026 gibt es eine Behördenposition zu intravenösen Longevity-Infusionen: Das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte warnt in seiner Pressemitteilung 04/2026 vor den Risiken sogenannter „Drip-Spa“-Infusionen und stellt fest, dass diese Lösungen in Deutschland nicht als Arzneimittel zugelassen sind. Damit ist eine Kern-Modalität des wachsenden DACH-Longevity-Segments erstmals bundesbehördlich adressiert — und betroffen sind auch Häuser, über die wir hier berichtet haben.

Was das BfArM konkret warnt

Die Argumentation der Behörde ist regulatorisch, nicht pharmakologisch. Infusionslösungen durchlaufen in Deutschland ein Zulassungsverfahren, in dem Wirksamkeit, Unbedenklichkeit, Qualität und ein positives Nutzen-Risiko-Verhältnis geprüft werden. Für die in Drip-Spas eingesetzten Mischungen ist dieser Nachweis nicht erbracht — sie sind, so die Formulierung, in Deutschland nicht als Arzneimittel zugelassen, und ihre Qualität und Sicherheit sind mithin arzneimittelrechtlich nicht belegt.

Die genannten Risiken sind konkret: Hypervitaminosen durch Vitamin-Überdosierung, Hyperhydration, Störungen im Elektrolyt- und Säure-Basen-Haushalt, allergische Reaktionen bis zum anaphylaktischen Schock auf teilweise nicht deklarierte Substanzen, Paravasate mit Gewebeschädigung, Luftembolien und Kreislaufprobleme durch zu schnelle Flüssigkeitszufuhr. Besonders gefährdet sind Menschen mit Nieren- oder Herz-Kreislauf-Vorerkrankungen. Beworben werden die Angebote laut BfArM mit Immunstärkung, besserem Aussehen, mehr Leistungsfähigkeit und Unterstützung der Leberfunktion.

Wichtig für die Einordnung: Das ist eine Risiko-Information, kein Verbot und keine Untersagung. Die Resonanz war trotzdem breit. Die Ärztekammer Nordrhein verbreitete die Warnung Ende Juni im Rheinischen Ärzteblatt, die Deutsche Gesellschaft für Innere Medizin — die den Trend bereits im Vorjahr kritisiert hatte — hält fest, dass es keine wissenschaftlichen Belege für einen gesundheitlichen Vorteil bei Menschen ohne Mangel gibt. Die Gesamtkonferenz Deutscher Heilpraktikerverbände lehnt Drip-Spa-Infusionen in nicht-medizinischen Einrichtungen wie Spas und Kosmetiksalons ab. Rechtlich gilt: Einen pauschalen Arztvorbehalt für Infusionen gibt es nicht, verschreibungspflichtige Bestandteile machen die Anwendung aber ärztlich — NAD+ gehört dazu.

Wo diese Infusionen im DACH-Raum angeboten werden

Hier wird es für uns unbequem, und deshalb steht es hier. THE WELL Frankfurt, dessen Portrait wir im Radar führen, listet auf seiner Website „IV Nutrient & Vitamin Therapy“ und „Vitamin Shots“ im Behandlungsportfolio. Bemerkenswert ist die Formulierung: Die Infusionen seien auf die Blutwerte kalibriert und würden eingesetzt, wenn der Ausgangsbefund es nahelegt. Das ist näher an einer Indikationslogik als am Menükarten-Drip — nachprüfbar wird es erst nach der für Sommer 2026 angekündigten Eröffnung, die zum Redaktionsschluss noch aussteht.

Bei Coolzoone Köln haben wir im Portrait vermerkt, dass die für 2026 angekündigten NAD+-Infusionen auf der eigenen Website nicht dokumentiert waren. Dieser Befund hat Bestand — coolzoone.de nennt NAD+ bis heute nicht, die Ankündigung findet sich auf der Partnerseite des Kammer-Herstellers. Was die Website stattdessen führt, ist ärztlich verantwortete Mikronährstoffmedizin mit laborgestütztem Check und optionaler Infusionstherapie nach Absprache — inhaltlich das defensivere Modell. Beim Concept Club Berlin haben wir gegengeprüft: Infusionen sind dort öffentlich nicht im Angebot. Preislich bewegt sich das Segment bei 250 bis 550 Euro je NAD+-Sitzung, wie unser Überblick der Longevity-Clubs und -Kliniken 2026 zeigt.

Was medizinisch indizierte Infusionen davon unterscheidet

Der Unterschied ist nicht die Nadel, sondern was ihr vorausgeht. Eine Eisen- oder Vitamin-B12-Infusion bei laborgesichertem Mangel, eine parenterale Substitution bei Malabsorption nach bariatrischer Operation oder bei chronisch-entzündlicher Darmerkrankung, supportive Therapie in der Onkologie: All das hat eine Diagnose, eine Dosis und einen Endpunkt. Der Wellness-Drip bei einer gesunden Person hat einen Wunsch.

Für NAD+ gilt eine eigene Zwischenposition, die wir in unserer NMN- und NAD+-Einordnung sortiert haben: Der Mechanismus ist plausibel, der Spiegelanstieg messbar — aber ein Biomarker ist kein Outcome. Klinische Endpunktstudien bei gesunden Erwachsenen fehlen.

Redaktionelle Einordnung

Was heißt das für unsere Bewertung dieser Häuser? Erstens: Kein Anbieter tut etwas Verbotenes. Zweitens: Die Marketing-Verheißung dieser Modalität hat kein regulatorisches Fundament, und das ist seit Mai 2026 amtlich dokumentiert. Drittens, in eigener Sache: In unserem THE-WELL-Portrait haben wir die Warnung auf 2025 datiert — korrekt ist der 12. Mai 2026; die DGIM-Kritik lag im Vorjahr. Das stellen wir dort richtig.

Für künftige Portraits ziehen wir daraus drei Prüffragen: Wird vor einer Infusion ein Laborbefund erhoben? Wer verantwortet die Indikation namentlich? Und wird der fehlende Zulassungsstatus im Aufklärungsgespräch genannt — oder erst im Kleingedruckten? Wer diese drei Punkte sauber beantwortet, steht auch nach dieser Warnung gut da.

Quellen

  1. Presse(2026) BfArM warnt vor Risiken von Drip-Spa-Infusionen · bfarm.de(Primärquelle — Pressemitteilung 04/2026 vom 12. Mai 2026, Wortlaut der Risikoaufzählung und der arzneimittelrechtlichen Einordnung)
  2. News(2026) Longevity-Infusionen: Bundesinstitut warnt vor Gesundheitsrisiken · Deutsches Ärzteblatt(Unabhängige Fachpresse — bestätigt Datum, Risikoliste und fehlenden Zulassungsstatus)
  3. News(2026) BfArM-Warnung: Drip-Spa-Infusionen bergen Gesundheitsrisiken · Pharmazeutische Zeitung(Quelle für die Position der Deutschen Gesellschaft für Innere Medizin und die Empfehlung hausärztlicher Abklärung)
  4. News(2026) Warnung vor Drip-Spa-Infusionen · Rheinisches Ärzteblatt (Ärztekammer Nordrhein)(Kammer-Publikation vom 29. Juni 2026, Heft 7/2026 — belegt die Weiterverbreitung der Warnung in die verfasste Ärzteschaft)
  5. Presse(2026) Drip-Spa-Infusionen — Stellungnahme · Gesamtkonferenz Deutscher Heilpraktikerverbände und Fachgesellschaften(Verbandsreaktion — lehnt Drip-Spa-Infusionen in nicht-medizinischen Einrichtungen ab, erkennt medizinisch begründete Infusionen ausdrücklich an)
  6. News(2026) BfArM warnt vor Risiken von Drip-Spa-Infusionen · Verband Unabhängiger Heilpraktiker e. V.(Rechtliche Einordnung durch RA Benjamin D. Alt (Infusionen im heilpraktischen Umfeld grundsätzlich zulässig, Wellness-Vermarktung riskant); NAD+ und Alpha-Liponsäure als besonders problematisch benannt)
  7. Anbieter(2026) THE WELL — Longevity Club Frankfurt (Betreiber-Website) · thewell.club(Selbstauskunft, abgerufen am 18. August 2026 — IV Nutrient & Vitamin Therapy und Vitamin Shots im Portfolio, Tiers 2.400/4.900/8.000 €, Eröffnung Sommer 2026)
  8. Anbieter(2026) Mikronährstoffmedizin Köln — Ärztlicher Check-up (Betreiber-Website) · coolzoone.de(Selbstauskunft, abgerufen am 18. August 2026 — optionale Infusionstherapie nach Absprache im Rahmen eines laborgestützten Intensiv-Checks, ärztlich verantwortet)
  9. Anbieter(2026) Longevity und Performance — Coolzoone by MedicBite Köln · remedi-cool.com(Partnerseite des Kammer-Herstellers — nennt NAD+-Infusionen als Teil der ab Februar 2026 angekündigten Erweiterung)

Teilen